HIV-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP)
Warum nach einem Risikokontakt jede Stunde zählt
Eine HIV-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP) ist eine medikamentöse Notfallbehandlung, die nach einem möglichen Kontakt mit dem HI-Virus das Risiko einer HIV-Infektion deutlich senken kann. Entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Deshalb gilt bei einem HIV-Risikokontakt: Nicht abwarten – sofort medizinische Hilfe suchen. Erfahren Sie, wann eine HIV-PEP infrage kommt, wie sie funktioniert und welche Schritte im Ernstfall wichtig sind.


Was ist eine HIV-PEP
Die HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP) ist eine vorbeugende Behandlung nach einem möglichen Kontakt mit dem HI-Virus. Dabei werden mehrere antiretrovirale Medikamente kombiniert, um zu verhindern, dass sich das Virus im Körper dauerhaft etablieren kann.
Die Behandlung dauert in der Regel 28 Tage und sollte so früh wie möglich begonnen werden. Sie dient ausschließlich der Vorbeugung nach einer möglichen HIV-Exposition und ist keine Therapie einer bereits bestehenden HIV-Infektion.
Warum jede Stunde zählt
Die Wirksamkeit der HIV-PEP hängt entscheidend davon ab, wie schnell sie begonnen wird. Fachgesellschaften empfehlen, die Behandlung möglichst innerhalb weniger Stunden, idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden, zu starten. Manche Leitlinien nennen sogar einen Beginn innerhalb von zwei Stunden als optimal. Spätestens 72 Stunden nach dem Risikokontakt sollte die HIV-PEP begonnen werden. Danach wird sie in der Regel nicht mehr empfohlen, da das Virus den Körper bereits dauerhaft infiziert haben kann.
Deshalb gilt: Bei einem möglichen HIV-Risikokontakt sollte umgehend eine Notfallambulanz oder eine HIV-Schwerpunktstelle aufgesucht werden.


Wann eine HIV-PEP sinnvoll ist
Ob eine HIV-PEP empfohlen wird, hängt von der Art des Kontakts und dem individuellen Infektionsrisiko ab. Die Entscheidung trifft eine Ärztin oder ein Arzt nach sorgfältiger Risikoabschätzung. Mögliche Situationen sind:
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven oder HIV-Status-unbekannten Person
- Kondomriss oder Kondomversagen bei erhöhtem HIV-Risiko
- Sexuelle Gewalt
- Stich- oder Schnittverletzungen mit möglicherweise HIV-kontaminierten Nadeln oder Instrumenten
- Kontakt von Schleimhäuten (z. B. Auge oder Mund) mit potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten
Ist bekannt, dass die HIV-positive Person unter einer wirksamen Therapie steht und die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt (U = U: Undetectable = Untransmittable), besteht beim sexuellen Kontakt nach aktuellem Wissensstand kein HIV-Übertragungsrisiko. In solchen Fällen ist eine HIV-PEP meist nicht erforderlich.
Was nach einem möglichen HIV-Kontakt zu tun ist
Nach einem möglichen HIV-Risikokontakt sollte keine Zeit verloren werden. Empfohlen wird:
- Offene Wunden sofort mit Wasser reinigen und desinfizieren
- Schleimhäute mit reichlich Wasser spülen
- Umgehend eine Notfallambulanz oder ein HIV-Behandlungszentrum aufsuchen
- Die Situation ärztlich beurteilen lassen
Vor Beginn der Behandlung wird in der Regel ein HIV-Test durchgeführt. Dieser dient als Ausgangsbefund und sollte den Beginn der HIV-PEP nicht verzögern.


Wie läuft die HIV-PEP ab?
Die HIV-PEP besteht heute meist aus einer Kombination von zwei oder drei antiretroviralen Wirkstoffen, die täglich über 28 Tage eingenommen werden. Während der Behandlung erfolgen ärztliche Kontrollen, um mögliche Nebenwirkungen und die Verträglichkeit zu überwachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:
- Übelkeit
- Durchfall
- Müdigkeit
- Kopfschmerzen
Die meisten Beschwerden sind vorübergehend und gut behandelbar. Nach Abschluss der Therapie werden weitere HIV-Tests durchgeführt – üblicherweise nach etwa 4 bis 6 Wochen sowie erneut nach 12 Wochen –, um eine Infektion sicher auszuschließen.
HIV-PEP ersetzt keine Prävention
Die HIV-PEP ist eine Notfallmaßnahme und kein Ersatz für bewährte Schutzmaßnahmen. Zu einer umfassenden HIV-Prävention gehören weiterhin:
- Kondome und Safer Sex
- Regelmäßige Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen
- Frühzeitige Behandlung von STI
- HIV-PrEP (Präexpositionsprophylaxe) bei dauerhaft erhöhtem HIV-Risiko
Wer wiederholt eine HIV-PEP benötigt, sollte sich ärztlich beraten lassen, ob eine HIV-PrEP die geeignetere Schutzstrategie ist.


Fazit zur HIV-PEP
Die HIV-Postexpositionsprophylaxe ist eine wirksame Notfallmaßnahme nach einem möglichen HIV-Risikokontakt – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig begonnen. Da die Schutzwirkung mit jeder verstrichenen Stunde abnimmt, sollte im Verdachtsfall sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Die HIV-PEP ersetzt jedoch keine langfristige Prävention. Wer häufiger einem HIV-Risiko ausgesetzt ist, sollte sich über zusätzliche Schutzmaßnahmen wie die HIV-PrEP beraten lassen.
Beratung in der Johann Strauss Apotheke Wien
Sie haben Fragen zur HIV-PEP, HIV-PrEP oder zu Arzneimitteln gegen HIV? Wir beraten Sie diskret zu deren Anwendung, möglichen Wechselwirkungen und unterstützenden Maßnahmen. Besteht der Verdacht auf einen HIV-Risikokontakt, wenden Sie sich bitte unverzüglich an eine Notfallambulanz oder ein spezialisiertes HIV-Behandlungszentrum, da für den Behandlungserfolg jede Stunde zählt.

Häufige Fragen zu HIV-PEP
Wie lange nach einem Risikokontakt kann eine HIV-PEP begonnen werden?
Die Behandlung sollte möglichst innerhalb weniger Stunden beginnen. Spätestens 72 Stunden nach dem Risikokontakt ist der Beginn in der Regel nicht mehr sinnvoll.
Wie wirksam ist die HIV-PEP?
Bei rechtzeitigem Beginn und konsequenter Einnahme über 28 Tage kann die HIV-PEP das Risiko einer HIV-Infektion erheblich reduzieren. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht.
Muss ich die Medikamente die gesamten 28 Tage einnehmen?
Ja. Die vollständige Einnahme über den gesamten Behandlungszeitraum ist entscheidend für die Wirksamkeit der HIV-PEP.
Schützt die HIV-PEP auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen?
Nein. Die HIV-PEP wirkt ausschließlich gegen HIV. Gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien schützt sie nicht.